   | Proteste in der Geschichte
- Protest der Kreuzfahrer gegen den Treueid in Konstantinopel -1.) Vorwort | | Alles begann im Jahre 1095, an einem Novembertag in Zentralfrankreich, besser gesagt in Clermont. Eigentlich sollte es nur ein normales Konzil werden, aber es sprach sich herum, daß der Papst eine Erklärung am Ende abgeben wollte. Man wußte zwar nicht was, aber es war immer etwas Bedeutendes, wenn der Papst etwas sagen wollte... Diese Rede veränderte das Abendland sowie das Morgenland gewaltig. Sie brachte Veränderungen, die vorher nicht erwartet worden waren. Für 300 Jahre beflügelte sie die Menschen, zu Tausenden in einen immerwährenden Krieg gegen die Falschgläubigen zu ziehen. Die Gründe dafür waren so unterschiedlich wie die Personen, die dem Aufruf des Papstes folgten und oft ihr Leben ließen. Manche folgten aus Glaubenseifer, andere um vielleicht ein bißchen reicher zu werden und wiederum manche folgten um des Abenteuers Willen. Doch eins hatten sie alle gemeinsam: Sie wollten ins Gelobte Land ziehen! Anna Comnenus beschrieb es so: [...] es war das ganze Abendland, alles, was es an babarischen Nationen gibt [...] in ganzen Familien daherzog und auf Asien zumarschierte [...]" 6 Heutzutage ist es natürlich schwer nachzuvollziehen welche Gründe für welche Personen der Kreuzzüge die bewegenden waren. Für das einfache Volk ist dies einfach zu sagen. Sie folgten größtenteils aus dem Glauben an Erlösung den vielen Predigern (z.B. Peter der Emerit), die durch die Lande zogen und ihre Botschaft kundtaten. Für die Adligen ist dies schon schwieriger zu sagen, da sie auch über die Macht verfügten, sich Land zu erobern. Besonders die Söhne der Normannen, die im Erbschaftsfall leer ausgingen, kamen in Schaaren und folgten dem Ruf des Papstes. So kam es, daß viele Nordfranzosen und Süditaliener (auch Normannen) am Kreuzzug teilnahmen. Diese Vorbetrachtungen sind wichtig für das weitere Verstehen dieser Belegarbeit, denn die Gründe für das Losziehen in den Kreuzzug sind ja ausschlaggebend für des weitere Verhalten, in diesem Fall für das Verhalten bei Kaiser Alexios I. Comnenos in Konstantinopel. | | 2.) Hugo von Vermandois | | Kurz nachdem Papst urban II. die abendländische Christenheit zum Kreuzzug aufrief, begannen auch schon viele Adlige ihre Rüstungsbemühungen, um kurz darauf loszuziehen. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, die heiligen Stätten aus den Händen der Falschgläubigen zu reißen. Nach dem Zug der Bauern, einem Heer von beträchtlicher Größe, aber dadurch und wegen der unqualifiziertheit seiner Führer, konnte das Heer nicht lange überleben und wurde kurz hinter Konstantinopel aufgerieben. Nun machten sich im Herbst 1096 auch die Adligen auf den Weg und ihnen würde, trotz kleiner Zwischenfälle, ein besserer Erfolg zu eigen werden. Der erste wichtige Abendländer, der die harte Reise antrat, war Hugo von Vermandois, ein Bruder des französischen Königs. Er zog durch Italien (1096) und landete nach einem Schiffbruch an der Adriaküste, wo er sofort unter Bewachung gesetzt wurde, aber dies nicht so ernst nahm, da die Gefangenschaft sehr angenehm war. Anna Comnenus, die Kaisertochter meinte sogar, daß er nur teilweise unter Bewachung gestellt wurde. Wichtig ist zumindest, daß er bewacht wurde.51 Der gerade regierende Kaiser in Konstantinopel war Alexios Comnenus, ein sehr weiser Führer seines Landes, dem Oströmischen Reich, bzw. was davon übrig geblieben war. Nach dem untergang des Weströmischen Reiches hatte das Oströmische nicht mehr an Größe zunehmen können, besonders durch die Gebietsausdehnungen des Islam kam es immer mehr zur Machteinschränkung im Osten des Reiches. In dieser Lage hatte der Kaiser schon früher um Hilfe beim Papst (Gregor VII.) gebeten, doch die Zeit war noch nicht reif gewesen. Je doch 20 Jahre später kamen viele Heere, denen er mit gemischten Gefühlen gegenüberstand, denn Kaiser Alexios hatte nicht die Absicht gehabt, Armeen durch sein Land zu lassen, vielmehr dachte er an eine Söldnerunterstützung aus dem Abendland. Es gibt viele verschiedene Ansichten, wie er sich jetzt hätte verhalten sollen, da sein Reich zu diesem Zeitpunkt sehr geschwächt war und ein durchziehendes Heer, das das Reich angreifen würde, hätte ihm (dem Reich) höchstwahrscheinlich den Todesstoß gegeben. Wie sollte Alexios sich jetzt verhalten? Die Grenzen zu schließen, wäre wohl eine Möglichkeit gewesen, doch die Heere kamen ja auf sein Anfordern aus dem Westen zu ihm und so würden sie Byzanz sicherlich nur schaden, anstatt Vorteile zu bringen. Die Heerführer hätten vielleicht sogar wutentbrannt das Reich angegriffen. Die Heere einfach durchzulassen, hätte auch nicht viel an der Lage geändert, da die Heerführer nun im Osten neue Reiche gründen würden, wie die Normannen in Süditalien, und da Normannenheere ja auch unterwegs waren, bestand die Möglichkeit, daß dies geschah. Nun hätte Kaiser Alexios zwar keine Muslime zu bekämpfen, aber ein Normannenreich im Osten und eins im Westen würden sich sicherlich leicht zu einer Allianz gegen Byzanz zusammenschließen lassen, das sowieso schon geschwächt nichts mehr entgegenzusetzen hätte. Diese Möglichkeit hätte so Alexios auch keinen Vorteil gebracht. So kam der Kaiser auf die Idee, jedem Heerführer, der durch sein Reich zog, um nach Osten zu gelangen und somit an Konstantinopel, vorbeikamen einen Treueid abzuverlangen, wie sie es im Abendland gewohnt waren. Sie sollten schwören, daß sie alle Gebiete, die sie erobern, an ihn abgeben sollten. Also, nachdem Hugo von Vermandois von den Byzantinern aufgenommen und mit Soldaten umgeben wurde, reiste er mit seiner kleinen Heeresgruppe nach Konstantinopel, um über den Bosporus geschifft zu werden. In Konstantinopel angekommen, leistete er relativ schnell den Eid. Warum er dies tat, ist rätselhaft! Manche Geschichtsschreiber meinen, daß er sich geehrt fühlte, ein Lehnsmann des Kaisers zu sein, den der Eid war nichts anderes als ein ein bißchen auf die umstände zugeschnittener Lehnseid. Diese Meinung ist einleuchtend, wenn man sieht, daß Hugo von Vermandois von den Reichtümern, die Kaiser Alexios besaß und denen, die er auf der Reise nach Konstantinopel genießen konnte, ihn sehr beeindruckt hatten. Ein Abendländer mit so einer rauen Sitte, wie sie im Frankreich dieser Jahrhunderte vorhanden, aufgewachsen war, mußte sicherlich beeindruckt gewesen sein von der Schönheit des Reiches, denn wie man heute noch gut sehen kann, wenn man Griechenland besucht, ist die Ausschmückung der Kirchen (griechisch-orthodox) unverkennbar und man kann so auf die einstige Schönheit und die Macht des Reiches schließen. Außerdem war Konstantinopel eine riesige Stadt, wo sich der Orient und der Oxident trafen. Von dieser Vielfalt und von neuen Sachen, die er bisher nicht kannte, war er bestimmt beeindruckt und das Hofzeremoniell, das über Jahrhunderte gewachsen war, mußte ihn auch in den Bann gerissen haben. Eine andere Möglichkeit, die erklären würde, daß er den Eid so schnell tätigte, war die unüberlegtheit dieser Handlung. Er sah einfach nicht die Einschränkung, die ihn aufgebürdet wurde, oder er erkannte einfach die Wichtigkeit der Handlung nicht. Eine solche Verhaltensweise ist für ihn nicht ungewöhnlich, denn sie verfolgte ihn wie ein Schatten seit dem Beginn des Kreuzzuges. Zuerst reiste er aus Frankreich ab, bevor seine Truppen fertig waren. Das ist zwar mit einem übereifer für die gute Sache und den Glauben zu erklären, wäre aber nicht gebührend für eine Person so hoher Geburt. Danach schrieb er einen schwülstigen Brief" nach Konstantinopel, um seine Ankunft anzukündigen, die doch nicht wie die Ankunft eines Edelmannes (Schiffbruch) aussah. Die erste und die letzte Handlung sind somit aus übereifer hervorgegangen, wenn man den Schiffbruch nicht als Zufall hinnimmt. Dieser kleine überblick über die Handlungen von Hugo von Vermandois werfen doch ein sehr bedenkliches Licht auf seine Person und man kann so sehr gut erkennen, daß wohl eine Synthese der Thesen die beste Lösung für das Problem, der Person Hugo von Vermandois sei. Er wurde also geblendet von der Schönheit des Lebens im Reiche, und er war dazu noch leicht voreilig in seinen Handlungen, so daß der Kaiser, der ein guter Taktiker war, leichtes Spiel mit ihm hatte. Hugo von Vermandois verblieb die Zeit danach am Hofe des Kaisers, bis die nächsten Heere ankamen. | | 3.) Gottfried von Boullion | | Der nächste Führer einer bedeutenden Streitmacht war Gottfried von Boullion, ein Lothringer. Was geschah, als er in das byzantinische Reich einzog, ist umstritten! Manche Historiker meinen, daß Gottfrieds Heer durch Gerüchte erfuhr, daß Hugo von Vermandois von Kaiser Alexios gefangengehalten wurde, und so schickte Gottfried Boten nach Konstantinopel, um seine Freilassung zu bewirken. Als dies nichts half, ließ er die umgebung plündern.51 Andersherum meinen andere Quellen, Hugo von Vermandois wurde als Bote von Kaiser Alexios zu Gottfried gesandt, um den Lehnseid abzufordern (Doch Gottfried war noch unentschlossen und leistete den Eid noch nicht.), und im gleichen Zuge erfuhr das ganze Heer von der guten Betreuung durch den Kaiser, so daß mache guten Ritter Gottfrieds Heer verließen, um schneller nach Konstantinopel zu kommen. Fest steht, daß Gottfried am 23. Dezember vor Konstantinopel ankam. Der Kaiser hatte vorsorglich die Stadttore schließen lassen, denn er dachte, daß Gottfried ihn angreifen wollte. Außerdem erließ er Gesetze, die bestimmten, daß keine Lebensmittel an die Kreuzfahrer abzugeben seien.51 Nachdem die Truppen ihr Feldlager aufgeschlagen hatten, wurde Gottfried zum Kaiser bestellt, um nun endlich den Eid zu leisten, doch er tat es nicht. Manche Historiker meinen, daß Gottfried den Eid Alexios zugesichert hatte, doch dies ist sehr umstritten.81 Sicher ist, daß er den Schwur noch nicht leistete. Albert von Aachen meinte dazu: Aber der Herzog weigert sich, durch die französischen Ansiedler vor der Tücke des Kaisers gewarnt." 51 So schrieb Gottfried einen Brief an den Kaiser, daß er sich noch nicht über die Absichten des Kaisers im Klaren war. 51 Er hatte viele Bedenken über diesen Eid. Da er ja an erster Stelle Kreuzfahrer war, durfte er nun dem Kaiser einen Eid ablegen, oder nicht. Gottfried war natürlich zusätzlich ein deutscher Fürst. Was würde der deutsche Kaiser sagen, wenn er nun hier einem anderen Kaiser einen Lehnseid schwört? Würde er die deutschen Gebiete abgeben müssen, wenn er wieder in der Heimat ankommt? Solche Fragen schwirrten zu diesem Zeitpunkt in Gottfrieds Kopf herum.91 So vergingen Monate und Gottfrieds Heer überwinterte am Goldenen Horn bei Konstantinopel, nicht nur weil es dort feste Quartiere gab, sondern er wollte auch Gottfried von den anderen Heeren abschneiden, so daß er keine Nachrichten von ihnen erhielt. So hoffte er ihn zum Eidablegen zwingen zu können. Gottfried wollte nämlich mit dem Schwur warten, bis andere Heere eingetroffen wären, und so hätte Alexios eine weitaus größere Aufgabe gehabt, denn mehrere Heerführer hätte man sehr schlecht zu diesem Schwur bringen können. Einen einzelnen Mann konnte man noch gut überzeugen, doch wie wäre das mit zwei vonstatten gegangen. Eine Schwierigkeit hätte erst einmal darin bestanden, daß die beiden Führer unterschiedliche Standpunkte besessen hätten. Zusätzlich wäre die Lage noch durch die Große Schlagkraft der vereinigten Heere verschärft gewesen. Die Verhandlungspartner wären sowieso schwerer zum Schwur gebracht worden, da sie sich gegenseitig beobachten würden. Somit würde sich keine wagen den ersten Schritt zu tun, in dem Glauben der andere Führer würde diese Handlung als unangemessen beurteilen und es kund tun. So merkt man schnell, daß Alexios schon das Richtige tat, wenn er unbedingt die Schwüre haben wollte. Alexios nahm also an, daß Gottfried, wenn er keine Nachrichten von den anderen Heeren bekommen würde, denken würde, daß es sich nicht mehr lohne zu warten. In regelmäßigen Abständen wurde er gebeten den Eid zu leisten, aber er schlug das Angebot immer wieder aus. Nach einiger Zeit wurde Alexios dieses Spiel zu viel, und er schnitt die Nahrungsmittelzufuhr zu den Truppen ab. Gottfrieds Truppen plünderten nun die Vororte. Daraufhin wurden die Nahrungsmittel wieder geliefert und wieder Botschafter gesandt, um Gottfried nun endlich umzustimmen. Da diese Verhandlungen scheiterten, wurden die Nahrungsmittel herabgesetzt. Jetzt setzten die Plünderungen wieder ein. Nun erfolgte eine Schlacht, die nach verschiedenen Quellen wieder andere ursachen hatte. Die Tochter Alexios meinte, daß die Lothringer angefangen hätten sogar die Stadt anzugreifen, und da es Gründonnerstag war, hatte ihr Vater seinen Truppen befohlen, über die Köpfe der Lothringer hinwegzuschießen, und er schickte Boten zur Besänftigung ins feindliche Lager. (Am Gründonnerstag war nämlich normalerweise kein Krieg zu führen.) Da ein Friedensangebot von Alexios ausgeschlagen wurde, läßt er ausfallen und als die Lothringer die Garde des Kaisers sahen, ergriffen sie die Flucht.52. 82 Anna erwähnte nichts von der Sperrung der Lebensmittel.52 Ob sie es nicht wußte, daß ihr Vater die Lebensmittelzufuhr abgeschnitten hatte oder ob sie ihn nur in einen guten Licht darstellen wollte, wissen wir nicht, aber es ist wohl anzunehmen, daß sie nicht Kritik an ihrem eigen Vater äußern würde, wenn sie in seiner Stadt auf seine Kosten wohnte. Albert von Aachen meinte dagegen, daß die Byzantiner das Gefecht angefangen hatten, da sie eigene Leute als Gefangene in der Stadt vermuteten(Kaiser Alexios sollte Pilger angegriffen haben!).52 Auch Albert erklärte Kaiser Alexios zum Sieger des Gefechts, da er nachgab und alle geforderten Gefangenen freiließ. So siegte Alexios bei Albert durch Diplomatie und nicht durch Waffen. Da Gottfried der Verlierer dieses Gefechts war, mußte er zum Eidleisten an zu Alexios kommen.52 Der Eides ist uns überliefert worden: Alle Städte, Gebiete und Burgen, die Gottfried erobern würde und vorher zum römischen Reich gehörten, sind an einen kaiserlichen Offizier zu übergeben." 53 Jetzt stellt sich aber die Frage, warum Gottfried von Boullion es auf einen Kampf ankommen ließ? Warum riskierte er einen Krieg? Der Grund für sein Handeln muß wichtig gewesen sein und da kommt uns die Aussage von Albert von Aachen gerade recht, der meinte, daß Bohemund, der nächstankommende Heeresführer einen Boten zu Gottfried von Boullion schickte, der verlauten ließ, daß Bohemund gerne mit ihm Konstantinopel angreifen würde. Er solle sich nur zurückziehen und kein Friedensangebot stellen.53 Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, wie Gottfried von Boullion geantwortet haben könnte: 1.) Er hat das Angebot abgelehnt, um wirklich nach Jerusalem zu kommen.53 2.) Bohemund hatte gar kein Angebot gestellt und befand sich zu der Zeit, da Albert diese Sache beschrieb, schon gar nicht mehr in Apulien. Dies ist so zu verstehen, da der Bote sagte, daß Bohemund noch in Apulien sei.53 3.) Gottfried von Boullion stand dem Angebot nicht abgeneigt gegenüber und nahm es an. Diese Möglichkeit würde das Warten und die fast kriegsähnlichen Zustände während des Aufenthaltes bei Konstantinopel erklären.53 Albert meinte dazu, daß Gottfried das Angebot ausschlug, um weiter nach Jerusalem zu ziehen. Dies ist aber so zu sehen, daß Albert Gottfrieds Lauterkeit nicht anzweifeln lassen wollte und dafür die Schuld bei Bohemund ließ.53 Es ist in diesem Fall sehr schwer zu entscheiden, was für richtig befunden werden muß, da die Quellen (Albert von Aachen) sehr fragwürdig sind. Albert konnte sich dieses Angebot ja nur ausgedacht haben, doch der Vorschlag paßt ja auch zu Bohemund, und so befindet man sich bei einem urteil in der Zwickmühle. Die dritte Variante wäre gut denkbar, doch das Warten Bohemund wäre auch ganz natürlich" erklärbar. Wenn Gottfried von Boullion das Angebot nun angenommen hätte, wie es in 3.) geschildert ist, stellt sich die Frage, warum Bohemund den Marsch seiner Truppen so verlangsamte und nicht nach Konstantinopel eilte, um Gottfried zu helfen. Vielleicht ließ er auch so langsam marschieren, um in der Gegend nach den Lothringern suchen zu lassen, die sich ja zurückziehen sollten, oder der Bote war auf dem Weg zu Bohemund aufgehalten worden und er wußte nicht, wie er sich jetzt dem Kaiser gegenüber verhalten sollte. | | 4.) Bohemund | | Bohemund war ein Normanne und stammte aus Süditalien (Apulien). Auch er zog, wohl mehr aus privaten Gründen, nach Jerusalem. Dies kann man schon daran erkennen, daß er notfalls gar nicht vorhatte, ins Gelobte Land zu ziehen, sondern sein Heil auch in Europa finden könnte (s.o.). Anna beschrieb ihn als [...]geborenen Lügner und Rohling[...]" .55 Er war kein rauer Nordländer, wie man sich ihn vorstellte und hegte auch nicht den Haß gegen den Islam. Bohemund war den umgang mit Muslimen gewohnt, da sie oft in Süditalien in der Verwaltung tätig waren, aber Anna beschrieb ihn auch als Rohling, wie die anderen Kreuzfahrer. Dies ist so zu erklären, daß er zwar wie ein Nordländer aussah, aber sich nicht so verhielt. Er war nicht so leicht zu durchschauen, und deshalb kann es gut sein, daß er Anna sehr irritiert hatte und sie so zu ihrem Schluß kam. Als Bohemund übergesetzt hatte, wurden seine Leute zuerst nicht versorgt, weil man sie für Plünderer hielt.54 Dieser Sachverhalt ist vor dem Hintergrund zu betrachten, daß die Normannen schon des öfteren die Ostküste des griechischen Reiches geplündert hatten und daß dieses Mal ein anderer Grund für die Ankunft bestand, konnte nur schwerlich ermittelt werden. So kam es, daß Bohemund von den Griechen angegriffen wurde, aber dieser Angriff konnte nicht erfolgreich durchgeführt werden, so daß die Normannen Gefangene nahmen. Die Gefangenen wurden aber kurz darauf wieder freigelassen, da Bohemund einen guten Eindruck machen wollte, um seine späteren Ziele durchsetzen zu können. Er verzögerte außerdem den Marsch so sehr, daß sie nur 5 Kilometer pro Tag zurücklegten. Bohemund wollte wohl einfach nicht der Erste in Konstantinopel sein.54 Am 9. April kam er in Konstantinopel an und leistete ohne Bedenken den Eid. Dies ging so einfach, weil er schon in Italien geboren wurde und daher nicht mehr so die näheren Beziehungen zu echten" Lehnsschwüren hatte. Es bedeutete ihm wahrscheinlich einfach nichts, diesen Eid zu leisten. Außerdem wollte er der Statthalter Alexios in Asien werden und hoffte, daß er die Stadt Antiochia bekam.55 Dieser Wunsch erfüllte sich aber nicht, weil der Kaiser ihm nicht traute und weil er Bohemund keinen Vorteil verschaffen wollte. Bohemund war sowieso schon mächtig genug, und so brauchte der Kaiser eher einen Ausgleich zu ihm, anstatt ihn zu stärken. Er traute dem Schwur auch keine große Reichweite zu, da wenn sein Heer Konstantinopel verlassen hätte, alles sowieso anders aussehen würde. Vielleicht dachte er auch, daß die Byzantiner nicht die Macht und Stärke besitzen würden, ihn aus seinem eroberten Land wieder vertreiben zu können. Eine Möglichkeit konnte auch sein, daß er ein Angelpunkt werden wollte zwischen Byzanz und den Kreuzzügern, denn ohne Konstantinopel wäre der Rückweg abgeschnitten. So würde er eine wichtige Stellung bekommen. Diese überlegungen hatte auch Alexios, und darum war ihm Bohemund nicht angenehm. Er ließ ihn rund um die uhr überwachen, und so merkte er sehr schnell, daß Bohemund nicht so schnell zu durchschauen war wie die anderen Kreuzfahrer. | | 5.) Raimund von Toulouse | | Der letze große Kreuzfahrer, der nach Konstantinopel kam, war Raimund von Toulouse. Als er die Grenze zum Griechischen Reiche überschritt, kam es kurz darauf zu Zwischenfällen. Laut Raimunds Chronisten wurden sie von den Einwohnern mit Plünderungen empfangen, da die vorherigen Kreuzfahrerheere die Märkte so geschwächt hatten, daß Raimund sein Heer nur schwerlich ernähren konnte. So kam es auch oft zu Reibereien mit der Bevölkerung.55 Auch Raimund von Toulouse reiste voraus nach Konstantinopel, um die Vorkehrungen für das übersetzen seines Heeres zu erledigen. Am 16. April 1097 kam er in Konstantinopel an.56 Anschließend brachte Alexios gleich hervor, daß er auch den Eid leisten müsse. Empört weigerte sich Raimund. (Es gibt auch Meinungen, die behaupten, daß Raimund die Bedingung mit dem Eid stellte, daß der Kaiser mit ihm kam. Dies wäre für den Kaiser nur schwerlich zu bewerkstelligen gewesen und so setzte er Raimund weiter unter Druck.92) Ihn muß man in einem anderen Licht sehen, als die Führer vor ihm. Anna beschrieb ihn so: Raimund von Saint-Gilles überstrahlte alle Lateiner, so wie die Sonne heller ist als die Sterne." 56 Heinrich von Sybel formte sein Bild im Gegensatz dazu als eigensinnig und unverträglich". 83 Er fügt sogar ein Vergleich zu Bohemund ein, indem er Bohemund als ein Mann, der alles gebraucht, was er bekommen kann, außerdem soll er sehr schnell die Lage analysiert haben können, um sie für sich nutzen zu können. Raimund von Toulouse muß sogar sich gefallen lassen, als skrupellos und störrisch" 84 bezeichnet zu werde. Er wird bei ihm als gieriger Mann dargestellt, der nur alle Ländereien, die er bekommen kann, seinem Besitz einverleibt.84 Diese Sicht ist wohl sehr überzogen und gibt kein richtiges Bild von Raimund von Toulouse, der sich für den Kreuzzug doch so sehr eingesetzt hatte. Er war der erste Mann, der das Kreuz auf sich nah und wollte, wie wir aus gesicherten Quellen wissen, wirklich um der Erlösung Willen nach Jerusalem ziehen.4 So kann man sich gut vorstellen, daß Raimund von Toulouse den Eid nicht leisten konnte, weil er nicht wußte ob dieser Treueid mit dem Papst abgesprochen war. Außerdem wollte er seine Rechte nicht gefährden lassen, sich ein paar Ländereien einzuverleiben.56 Nachdem er das Angebot ausgeschlagen hatte, wurden die kaiserlichen Truppen mobilisiert und sein Heer aufs schwerste geschwächt. Kaiser Alexios meinte wohl die gleiche Taktik anwenden zu könne, wie bei Gottfried von Boullion, der ja nach der Niederlage zum Kaiser kam, um den Schwur abzulegen. Raimund von Toulouse dagegen wurde nur noch wütender. Das ist sehr verständlich, denn er kam ja, um dem Kaiser zu helfen und statt Lohn zu empfangen, wurde er angegriffen. Von diesen Ereignissen geprägt, klagte er den Kaiser des Verrates an und schwor Rache. Alexios meinte dagegen, daß Raimunds Truppen beim Anblick der kaiserlichen die Flucht ergriffen.84 Nun mischte sich sogar Bohemund ein, der sich hoffte, wenn er sich auf die Seite des Kaiser stellen würde, sich Alexios annähern könnte.84 Er übte auf Raimund von Toulouse Druck aus, daß er nun endlich den Schwur leisten solle.4 Mit dieser Handlung schaffte er sich nicht gerade Freunde, denn Raimund von Toulouse war nun empört und Alexios merkte dies sehr schnell und ließ Raimund einen anderen Eid leisten, in dem er den Kaiser nur als Oberherrn anerkannte und im nicht die eroberten Ländereien auszuhändigen hatte.4 Warum ließ Alexios Raimund von Toulouse nicht den richtigen Eid leisten? Eine Möglichkeit wäre, daß Raimunds Heer schon so geschwächt war, daß es für den Kaiser keine Gefahr dargestellt hätte. Raimund hatte also nicht mehr genug Männer, um so große Ländereien zu erobern, daß sie dem Kaiser gefährlich werden könnten. Diese Theorie läßt sich gut damit in Einklang bringen mit dem Angriff von den kaiserlichen Truppen auf sein Heer, als es entscheidend geschwächt wurde. Vielleicht wollte Alexios Bohemund auch nicht so einen großen Einfluß bei den Verhandlungen mit den Kreuzzügern geben. Dies erklärt die Schnelligkeit mit der Alexios den neuen Eid leisten ließ. Eine nächste Möglichkeit wäre, ein Gegengewicht zu Bohemund zu schaffen, indem er Raimund bevorzugte. So konnte er die Beziehungen zu Raimund von Toulouse verbessern und hatte damit ein Sprachrohr zu den Kreuzfahrern. Er konnte dann seine Meinung auch in die Verhandlungen, wenn es welche geben würde, einbringen. Vielleicht hatte Raimund von Toulouse ein zu enge Beziehung zum Papst, um ihm einen richtigen Eid abzuverlangen. Aber warum hat er ihn erst nach der Ankunft verlangt und nicht gleich den 2. Eid angeboten! | | 6.) In Summa | | Zusammenfassend ist zu sagen, daß die Führer ihrer Heere sehr unterschiedliche Gründe hatten, gegen den Eid zu protestieren oder nicht. Für die meisten von ihnen galt aber nur die Aufforderung vom Papst als Vorwand, um neue Gebiete zu erobern. Als nun Kaiser Alexios ihnen die erhofften neuen Gebiete streitig machen wollten, protestierten viele. Der Wettlauf um die besten Gebiete hatte schon begonnen, und sie wollten jeden Nebenbuhler loswerden, der ihnen irgendwie gefährlich werden konnte. Sie merkte dabei nicht, daß die Geplänkel mit dem Kaiser ihre Heere deutlich schwächten. Hätten sie den Eid geleistet und später aber nicht mehr darauf gehört, wäre es für sie wohl besser ausgegangen. Diese Weitsicht hatte nur Bohemund, weil er sich mit den südlichen Sitten auskannte und genau wußte, daß der Kaiser später nicht mehr mit Erfolg die eroberten Gebiete in Besitz nehmen konnte. So hatten ihre eigen untaktischen Handlungen und Fehler zu einer beträchtlichen Schwächung geführt, von der sie sich nicht mehr so leicht erholen konnten. Außerdem hatten sie einen großen Verbündeten mißgünstig gestimmt, was später für sie noch Folgen haben sollte. | | 7.) Quellenangaben | | 4 Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1965, Seite 48 51 Milger, Peter: Die Kreuzzüge- Krieg im Namen Gottes, C. Bertelsmann Verlag GmbH, München, 1988, 3. Auflage, Seite 56 52 Milger, Peter: a.a.O., Seite 57 53 Milger, Peter: a.a.O., Seite 58 54 Milger, Peter: a.a.O., Seite 59 55 Milger, Peter: a.a.O., Seite 60 56 Milger, Peter: a.a.O., Seite 62 6 Pernoud, Régine: Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten, Karl Rauch Verlag, Düsseldorf, 1962, Seite 46 81 von Sybel, Heinrich: Geschichte des ersten Kreuzzugs, Friedrich Fleischer, Leipzig, 1881, 2. Auflage, Seite 265 82 von Sybel, Heinrich: a.a.O., Seite 267 83 von Sybel, Heinrich: a.a.O., Seite 274 84 von Sybel, Heinrich: a.a.O., Seite 275 91 Waas, Adolf: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag Herder Freiburg, Freiburg, 1956, 1. Band, Seite 130 92 Waas, Adolf: a.a.O., Seite 132 | | 8.) Quellenverzeichnis | | 1.) Erbstösser, Martin: Die Kreuzzüge- Eine Kulturgeschichte, Druckerei Fortschritt Erfurt, Leipzig, 1976 2.) Jones, Terry: Die Kreuzzüge, Knesebeck GmbH& Co. Verlags KG, München, 1995 3.) Kluger, Bernhard: Geschichte der Kreuzzüge, Reprint-Verlag-Leipzig, Leipzig, 1880 4.) Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer, urban- Taschenbücher, Stuttgart, 1965, 8. Auflage 5.) Milger, Peter: Die Kreuzzüge- Krieg im Namen Gottes, C. Bertelsmann Verlag GmbH, München, 1988, 3. Auflage 6.) Pernoud, Régine: Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten, Karl Rauch Verlag, Düsseldorf, 1962, 2. Auflage 7.) Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1995 8.) von Sybel, Heinrich: Geschichte des ersten Kreuzzugs, Friedrich Fleischer, Leipzig, 1881, 2. Auflage 9.) Waas, Adolf: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag Herder Freiburg, Freiburg, 1956, 1. Band | |
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