 | Die Perserkriege
- Von Salamis bis zum Kallias-Frieden -1.) 490-480 Ruhepause | | In den Jahren nach dem Sieg über die Perser bei Marathon geriet die politische Leitung Athens in die Hände von Themistokles, der sich für den Bau einer Kriegsflotte einsetzte. In kürzester Zeit wurde unter Verwendung der Einnahmen des Siberbergwerkes von Laurion eine Flotte von über hundert Schiffen gebaut und mit den Theten als Ruderern bemannt. Damit besaß Athen die größte Flotte unter den griechischen Staaten. Der persische Großkönig Darius beantwortete die Niederlage bei Marathon mit gewaltigen Rüstungen. Drei Jahre erdröhnte von ihnen Asien", schreibt Herodot. Ihr Fortgang wurde allerdings durch einen Aufstand in Ägypten unterbrochen, in dessen Verlauf Darius 485 starb. Nach der üblichen Thronfolgekrise mußte Darius` Nachfolger Xerxes zuerst die Erhebung in Ägypten niederschlagen, bevor er sich mit dem griechischen Problem befassen konnte. Seit dem Jahr 483 wurden jedoch die persischen Kräfte wieder für die Vorbereitung des Feldzuges gegen Griechenland eingesetzt. Xerxes, der noch im Schatten seiner Vorgänger stand, gedachte sich des Maximums an Sicherheit zu versichern. Der Krieg sollte zu einem triumphalen Siegeszug werden. Für die Schiffe war die östliche Halbinsel der Chalkidike durch einen Kanal vom Festland getrennt worden, um dadurch die Umschiffung des Athosgebirges, die 492 Mardonios zum Verhängnis geworden war, zu vermeiden. Da die persischen Rüstungen im Herbst des Jahres 481 abgeschlossen waren, galt es für Xerxes, den einmal geplanten Feldzug möglichst gut mit diplomatischen Schritten vorzubereiten. Einige Quellen berichten von einem Bündnis, daß Xerxes mit Karthago geschlossen haben soll, um die Griechen auf Sizilien zu bedrohen. Außerdem suchten Xerxes` Gesandte systematisch jeden griechischen Staat auf, um die Unterwerfung auf friedlichem Wege zu verlangen. Einige Poleis gaben ihnen tatsächlich, wie verlangt, Erde und Wasser als Zeichen ihrer Kapitulation, viele Staaten mittlerer Größe wie Argos blieben neutral. Die beiden maßgeblichen Staaten, Athen und Sparta, ließen die Boten des Xerxes töten. Auf den Durchschnitt besehen war die moralische Verfassung der Griechen jedoch ausgesprochen schlecht. Trotzdem fand sich im Herbst 481 ein Kongreß aus Abgesandten der griechischen Staaten zusammen, die sich nicht zu unterwerfen gedachten. Von Athen und Sparta gedrängt, schlossen sich etwa 30 Poleis zu einer Eidgenossenschaft unter Führung Spartas zusammen. Um auch die noch zögernden Staaten zum Eintritt zu bewegen, wurden alle Fehden zwischen den verschiedenen Poleis beendet. | | 2.) Der persische Feldzug 480 und die Schlacht von Salamis | | Anfang Juni 480 überschritt das persische Heer den Hellespont auf 2 Schiffsbrücken. Der griechische Historiker Herodot berichtet von 1,8 Millionen Kriegern und über 3 Millionen Troßangehörigen. Das ist natürlich weit übertrieben, nach heutigen Wissen mag das Landheer zwischen fünfzig- und hunderttausend Mann betragen haben, die Flotte sechs- bis siebenhundert Schiffe. Die Griechen bezogen anfangs eine weit vorgeschobene Verteidigungsstellung im Tempetal südlich des Olymp. Bald merkte man jedoch, daß diese Stellung von Westen her umgangen werden konnte. Deswegen zogen sich die Griechen bis zum Thermophylenpaß zurück, dem einzigen Zugang zu Mittelgriechenland von Norden her. Der Paß selbst war wegen seiner Enge leicht zu verteidigen, der Spartanerkönig Leonidas verschanzte sich dort mit wenigen Tausend Mann. Nach mehreren erfolglosen Durchbruchsversuchen beschloß Xerxes, den Paß zu umgehen. Dies gelang ihm mit Hilfe einheimischer Verräter. Die Phoker, die den Umgehungspfad bewachen sollten, wurden überrannt und das Hauptheer geriet in Gefahr. Mit 300 Spartanern verteidigte Leonidas den Paß bis zum Tod, um dem Rest der Truppen den Rückzug zu ermöglichen Gleichzeitig bezog die griechische Flotte, die aus 280 hauptsächlich athenischen Schiffen bestand, eine Position an der Küste der Insel Euböa, am Kap Artemision, um zu verhindern, daß die Perser im Rücken des griechischen Heeres Truppen an Land setzten. Die Perser hatten gerade durch einen Sturm viele Schiffe verloren, die vor einer Steilküste geankert hatten. Die griechische Flotte konnte sich fast 3 Tage lang gegen sie halten, dann erfuhr man von dem persischen Sieg an den Thermophylen und zog sich zurück. Die Perser hatten mit ihrem Sieg den Zugang zu Mittelgriechenland erreicht, das niemand mehr gegen die Übermacht zu verteidigen vermochte. Xerxes forcierte nun den Vormarsch. Nur Städte wie Theben und der Orakelsitz Delphi wurden verschont, da sie zu den Persern überliefen. Attika und Athen, deren Bevölkerung rechtzeitig auf die Insel Salamis evakuiert worden war, wurden verwüstet. Das leere Athen machten die Perser zu ihrem Hauptquartier. Korinth und Sparta hatten sich bereits entschieden, die letzte Verteidigungslinie am Isthmos von Korinth aufzubauen. Für Athen war diese weiter zurückgelegene Position unannehmbar, weil man die Insel Salamis und die attische Zivilbevölkerung so dem persischen Zugriff preisgegeben hätte. Allerdings stellten die Athener immer noch das Hauptkontingent der griechischen Flottenkräfte, so daß es Themistokles gelang, die Verbündeten zu überreden, sich zur Entscheidungsschlacht im Sund von Salamis bereitzuhalten. Nach einer Legende soll Themistokles, um die Griechen wirklich zum Kampf zu zwingen und die vorzeitige Abfahrt einiger Kontingente zu verhindern, Xerxes die Nachricht geschickt haben, daß die Griechen zu fliehen gedächten und er unverzüglich den Sund von Salamis abriegeln müsse. Die Absperrung kam tatsächlich zustande. Xerxes hielt das Unternehmen für so sicher, daß er sich am Ufer einen Thron aufbauen ließ, von dem aus er das Schauspiel anzuschauen gedachte. Die Griechen nahmen den Kampf mit etwa 300 Trieren auf. Bald zeigte sich, daß die persischen Schiffe zu groß waren, um in dem engen Sund von Salamis zu manövrieren; sie behinderten sich gegenseitig. Die Athener, die nichts zu verlieren hatten und mit dem Mut der Verzweiflung kämpften, waren mit ihren kleinen und manövrierfähigen Schiffen eindeutig im Vorteil. Die Schlacht endete nach zwölf Stunden mit einer Niederlage der Perser. Daraufhin mußte Xerxes den Feldzug für dieses Jahr abbrechen. Die Reste der persische Flotte fuhren nach Asien zurück, das persische Landheer schlug sein Winterquartier im Norden, in Thessalien, auf, wo es leichter zu versorgen war. Xerxes selbst zog sich nach Kleinasien in die Satrapenresidenz Sardes zurück. | | 3.) Die Siege der Griechen bei Platää und Mykale | | Mardonios, der Oberkommandierende des Heeres, benutzte den Winter zu einer diplomatischen Offensive mit dem Ziel, Athen aus der griechischen Front herauszubrechen. Er bot den Athenern einen Separatfrieden an. Im Frühjahr 479 erhöhte Mardonios seinen Druck auf Athen durch eine abermalige Besetzung der Stadt, die, nachdem sie den Winter über bewohnt worden war, erneut evakuiert wurde. Athen verlangte daraufhin sofortige Hilfe von seinen Bundesgenossen, da man sich sonst den Persern anschließen müßte. Die Folge war ein Vorstoß des griechischen Heeres unter dem spartanischen Regenten Pausanias bis nach Platää in Böotien, wohin sich das persische Heer zurückgezogen hatte, um nicht von den Griechen umgangen zu werden. Die Griechen waren den Persern mit ihren dreißig- bis vierzigtausend Mann fast ebenbürtig. Als die persische Reiterei die Nachschubwege störte, beschlossen die Griechen einen Rückzug auf eine günstigere Position. Dabei kam es allerdings zu einem ziemlichen Durcheinander und die zentralen Kontingente der Athener und Spartaner wurden vom Hauptteil des Heeres isoliert. Am Morgen des 26. Septembers 479 trafen die nachrückenden persischen Truppen unter Mardonios auf das spartanische Heer. Trotz erheblicher Verluste gelang es Pausanias, den Angriff abzuwehren. Schon zu Beginn der Schlacht war Mardonios weithin sichtbar gefallen. Die Perser, die auf dem unwegsamen Gelände ihre Reiterei nicht einsetzen konnten, waren der spartanischen Phalanx im Nahkampf nicht gewachsen. Die athenischen und spartanischen Kontingente vereinigten sich und stürmten gemeinsam das Lager der Perser. Die Schlacht endete mit einer totalen Niederlage der Perser, die ihre Truppen daraufhin aus Griechenland zurückzogen. Nach diesem Sieg gingen die Griechen gegen die perserfreundlichen Stämme vor. Theben wurde so lange belagert, bis es die Verantwortlichen auslieferte, welche von Pausanias hingerichtet wurden. Die persische Flotte zog sich nach Kleinasien zurück. Am Vorgebirge Mykale wurden die Schiffe im Schutz eines persischen Heeres an Land gezogen. Daraufhin stürmten griechischen Truppen das Schiffslager und zerstörten die Schiffe. Als Reaktion auf diesen erneuten Sieg vertrieben viele ionische Städte ihre persischen Besatzer und baten um Aufnahme in die griechische Eidgenossenschaft. | | 4.) Die Jahre 479 bis 448 | | Xerxes war mit der Niederschlagung eines babylonischen Aufstands beschäftigt. Bis zu seiner Ermordung 465 v. Chr. unternahm er nur einen Versuch, seine zusammengebrochene Herrschaft an der Küste Kleinasiens wieder herzustellen. 478 wurde der attisch-delische Seebund gegründet. Athen stand an dessen Spitze und übernahm die Führung bei der Zurückdrängung der Perser. Sparta zog sich nach der Eroberung Byzantions aus dem Krieg gegen die Perser zurück.476 wurde Sion, der letzte persische Stützpunkt an der makedonischen Küste, erobert. Um 469 versuchen die Perser erstmals, die kleinasiatischen Griechen wieder zu unterwerfen. Eine große persische Flotte stellte die persische Herrschaft auf Zypern wieder her und fuhr dann weiter nach Kleinasien. An der Mündung des Eurymedon wurden die Perser von der Flotte des Seebundes unter Führung Kimons überrascht und vernichtend geschlagen. Im Jahre 465 kam es im Zuge der üblichen Unruhen während des Thronwechsels zu einem Aufstand in Ägypten. Inaros, der den Aufstand angezettelt hatte, bat Athen um Hilfe. Eine athenische Flotte wurde nach Ägypten entsandt. Gemeinsam mit den Aufständischen eroberten die Athener Memphis und schlugen eine persische Flotte. Die letzten Perser zogen sich auf eine Nilinsel zurück. Doch nach zweijähriger Belagerung konnten sie sich immer noch halten. Kurz darauf kam ihnen ein großes persisches Heer zu Hilfe, dem die Griechen in der Schlacht unterlagen. Sie verschanzten sich ihrerseits auf einer Nilinsel und wurden 456, nachdem sie achtzehn Monate belagert worden waren, von den Persern vernichtet. Athen hatte seine Kräfte in Griechenland gebraucht, wo es zu Konflikten mit Sparta gekommen war, und konnte deshalb keine größeren Heere nach Ägypten entsenden. Nachdem Kimon einen fünfjährigen Waffenstillstand mit Sparta erreicht hatte, begann er 453 den Krieg gegen Persien wiederzubeleben, indem er erneut Truppen nach Zypern und Ägypten entsandte. 450 v. Chr. siegte der Seebund bei Salamis/Zypern gegen eine persische Flotte. Perikles, der nach Kimons Tod wieder die uneingeschränkte Leitung der attischen Politik erhielt, erkannte, daß man dem Perserreich nicht noch mehr Siege abringen konnte. Deshalb wurde 449 der reiche Athener Kallias als Unterhändler nach Susa geschickt.Nach zähen Verhandlungen kam es 448 zum Kalliasfrieden". In dieser Abgrenzung der Interessensphären, die keinen offiziellen Friedensvertrag darstellt, verpflichtete sich Persien, seine Kriegsschiffe aus der Ägäis fernzuhalten, und gab die griechischen Städte Kleinasiens frei. Dafür sollten die Griechen auf Ägypten und Zypern verzichten. Mit dem Kalliasfrieden war der Krieg gegen die Perser vorerst beendet. Der persisch-griechische Gegensatz blieb aber bestehen. Erst über hundert Jahre später wurde der Krieg wieder aufgenommen, als Alexander der Große das Perserreich eroberte. | |
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